Berlin, 19.11.2011
Die Solarbranche muss sich auf weitere Einschnitte in kürzeren Abständen einstellen. Umweltminister Röttgen und die Industrie einigten sich auf eine monatliche Anpassung.
© Tobias Schwarz/Reuters

Bundesumweltminister Norbert Röttgen in Berlin
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will durch eine monatliche Anpassung der Förderung den Neubau bei Solaranlagen in Deutschland stärker begrenzen. Das bisherige System mit halbjährlichen Kürzungen habe vor dem Stichtag zu "Schlussverkäufen" geführt,
sagte Röttgen nach einem Spitzengespräch mit der Energiebranche in
Berlin. Man sei sich einig, dass die Fördersätze künftig monatlich
angepasst würden.
Demnach könnten maximal 24 Prozent Kürzung pro Jahr möglich sein. Die
konkrete Ausgestaltung sei aber noch zu beraten. Die Neuregelung soll in
einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geregelt werden.
"Die Energiewende läuft erfolgreich und sie wird erfolgreich
weiterlaufen, wenn man es verlässlich macht", sagte Röttgen. Man könne
nicht jedes Jahr ein neues System einführen. Mit Blick auf Forderungen
nach radikalen Einschnitten sagte er: "Die Energiewende braucht
Verlässlichkeit."
Bisher sinkt die Solarstromförderung automatisch, wenn eine
bestimmte Anzahl neuer Anlagen installiert worden ist. Von 47,75 Cent
je Kilowattstunde für Dachanlagen und 35,49 Cent für Solarparks im
Jahr 2008 fiel die Vergütung bis Januar dieses Jahres auf 24,43 Cent
(Dachanlagen) beziehungsweise 17,94 Cent (Solarparks).
Branchenvertreter weisen darauf hin, dass Solarstrom
immer günstiger werde und vor dem Durchbruch zur Wirtschaftlichkeit
stehe. Bis 2020 soll der Anteil am Stromverbrauch von derzeit 3,2 auf
mehr als 10 Prozent gesteigert werden.
„Das EEG ist kein Dauersubventionsgesetz“
Röttgen sagte weiter, eine installierte Leistung von 7.500 Megawatt
dürfe es in dieser Form nicht mehr geben. Durch kontinuierliche
Kürzungsschritte sei der Ausbau weit besser zu steuern. "Das EEG ist
kein Dauersubventions-, sondern ein Markteinführungsgesetz". Die
Solarförderung sei ein Ausläufer, schon 2017 könnten erste Anlagen ohne
Förderung auskommen. Nirgendwo habe es eine rasantere Kostensenkung
gegeben als bei der Photovoltaik.
Die Debatte über die Solarförderung war nach einem unerwarteten Boom bei
neu installierten Anlagen zum Jahresende 2011 neu aufgeflammt. Allein
im Dezember wurden 3.000 Megawatt neu gebaut, soviel wie die Regierung
als Ziel für ein Jahr ausgegeben hatte.
Ökostrom
wird über staatlich garantierte Abnahmepreise gefördert, die
Netzbetreiber den Produzenten zahlen. Da diese höher liegen als der
Marktpreis, wird die Differenz von den Betreibern auf Kunden umgelegt.
Derzeit liegt der Ökostromanteil am Energiemix bei knapp 20 Prozent. Die
Solarförderung kostet derzeit pro Jahr etwa acht Milliarden Euro und
damit etwa die Hälfte der gesamten Förderung erneuerbarer Energien.
[Quelle:ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters]